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Markus Brönnimann Flötist
Fragen und Antworten
Was bedeutet die Flöte als Instrument für dich?
Die Frage sagt es schon: sie ist ein Instrument. Ein Instrument, um Musik zu machen,
etwas auszudrücken. Natürlich mag ich den Klang der Flöte, aber es gibt auch viele
andere Instrumente, die mir gefallen und auf denen ich mich wahrscheinlich ausdrücken
könnte. Ich habe während meines Studiums sehr gerne Klavier gespielt, bin aber leider ein
Dilettant geblieben.
Wichtig ist für mich auch das Repertoire eines Instruments, und da finde ich, dass wir
Flötisten nicht schlecht bedient sind: Unsere Literatur ist zwar nicht so reich wie diejenige
der Geiger oder Pianisten, aber besonders aus dem 20. Jahrhundert gibt es eine grosse
Zahl von herausragenden Werken für Flöte.
Was ich an der Flöte sehr gerne mag, ist ihre Fähigkeit, die Klangfarbe zu modulieren. Da
die Flöte mit dem Atem gespielt wird, haben wir auch die direkte Möglichkeit, Tönen eine
Seele zu verleihen. Und auch im Orchester finde ich, dass die Flöte oft in magischen
Momenten eingesetzt wird: Wenn es im Schlusssatz von Brahms‘ Vierter langsam ruhig
wird und das Flötensolo beginnt, so geht mir immer wieder das Herz auf.
Was geht in dir während eines Konzerts auf der Bühne vor?
Die besten Konzerte sind immer die, bei denen ich nur noch aus Ohren bestehe und der
Kopf sich nicht einmischt. Ich versuche, so gut vorbereitet zu sein, dass ich während des
Konzerts einfach drauflos spielen kann und sozusagen die Resultate der Probenarbeit
vergessen kann.
Ganz im Hier und Jetzt zu sein, höchst aufmerksam und gleichzeitig gelassen zu sein: dies
ist der Idealzustand, den zu erreichen leider nicht immer gelingt. Es gibt Konzerte, in
denen eine Ambulanz mit Blaulicht durch den Saal fahren könnte, ohne dass ich es
bemerken würde, und es gibt Konzerte, in denen mich das Wippen des Fusses der Dame
in der ersten Reihe enorm stört. Es gibt die wunderbaren Konzerte, in denen man sich vom
Publikum getragen fühlt; jede Note scheint auf fruchtbaren Boden zu fallen. Daneben gibt
es auch Abende, an denen nichts so recht zueinander passt: Die Akustik ist staubtrocken,
die paar wenigen Zuhörer verstecken sich in ihren Sesseln, man hat das Gefühl, um jede
Note kämpfen zu müssen. Beide Situationen gehören zur Realität. Ohne die mühsamen
Abende wären wohl keine Höhenflüge möglich.
Wie sieht dein normaler Arbeitsalltag aus?
Einen normalen Arbeitstag gibt es für mich höchstens, wenn ich in einem Orchesterprojekt
stecke und dann zwei Orchesterproben pro Tag habe, gefolgt von einigen Konzerten.
Ansonsten sieht jeder Tag anders aus, was ich an meinem Beruf sehr schätze. Je
nachdem, was gerade wichtig ist, übe ich, probe mit anderen Musikern, schreibe Texte,
beantworte e-mails, plane Termine und Reisen, schreibe Noten am Computer,
recherchiere im Internet oder stöbere in Bibliotheken. Meine Tätigkeit ist sehr
abwechslungsreich, es wird mir nie langweilig.
Andererseits ist es auch schwer, eine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit zu ziehen,
die Gedanken kreisen immer wieder um die gleichen Fragen. Aber ich denke nicht nur an
Musik, ich verbringe auch Zeit mit meiner Familie oder schaue mir einen Film an.
Was ich auch sehr schätze, ist die Abwechslung zwischen der Arbeit mit anderen Leuten,
die sehr bereichernd und erfüllend sein kann, und der Arbeit in meinem stillen Kämmerlein,
die ich brauche, um wieder zu mir zu kommen.
Das Reisen ist ein grosser Bestandteil meiner Arbeit. Ich geniesse es, fremde Länder zu
entdecken, mit dem Orchester in einem fremden Saal zu sitzen und die ungewohnte
Akustik und die Reaktionen eines unbekannten Publikums zu erleben.
Hast du nie den Traum von der grossen Solistenkarriere geträumt?
Nein, die Flöte ist für mich kein Soloinstrument wie die Geige oder das Klavier. Sie hat ein
wunderbares Repertoire im Orchester und in der Kammermusik, aber ihr angestammter
Platz ist nicht der einer Solistin vor einem grossen Orchester. Natürlich gibt es eine
Handvoll guter Solokonzerte und ich freue mich jedesmal, wenn ich die Gelegenheit habe,
eines davon zu spielen. Aber im Allgemeinen fühle ich mich in einer Kammermusikgruppe
oder einem Orchester sehr gut aufgehoben, ich mag es, meine Rollen schnell zu wechseln
zwischen Solo und Begleitung. Im Orchester geniesse ich es, Werke von Bruckner, Mahler
oder Mendelssohn zu spielen, als Solist würde mir dieses Repertoire fehlen.
Wie muss ein gutes Konzertprogramm aufgebaut sein?
Ich mag Programme, die einen inneren Zusammenhang besitzen, bei denen sich ein
gemeinsames Thema durch verschiedene Werke verfolgen lässt. Ich finde es auch immer
sehr aufschlussreich, wenn Werke des 20. und 21. Jahrhunderts auf ältere Musik prallen.
Dieser Gegensatz eröffnet die Möglichkeit, die alten Werke mit neuen Ohren und die Neue
Musik mit alten Ohren zu hören. Für diejenigen Leute, die gerne in Schubladen denken, ist
das allerdings anstrengend; was sie an einem reinen Barockabend erwartet, ist leichter
einzuschätzen.
Ich versuche in jedem Konzertprogramm mindestens ein Werk des späten 20. oder des 21.
Jahrhunderts zu spielen. Es scheint mir wichtig, dass Musik nicht nur aus einem kulinarischen
Blickwinkel wahrgenommen wird, dass wir uns nicht aus sicherer Distanz an den existentiellen
Fragen der vergangenen Jahrhunderte ergötzen. Die Musik, die von unseren heutigen Freuden
und Sorgen spricht, ist die Musik der Jetztzeit. Sich mit dem musikalischen Jetzt zu befassen,
ist lohnend, oft jedoch auch unbequem und verstörend.
Gerne programmiere ich auch Aussenseiter, Komponisten, die aus irgend einem Grund
nicht die Beachtung erhalten, die sie verdienten. Dazu rechne ich beispielsweise Joseph
Martin Kraus, Erwin Schulhoff oder George Enescu.
Letztlich muss ein Programm aber so angelegt sein, dass auch ein Hörer, der sich nicht für
geschichtliche und aussermusikalische Zusammenhänge interessiert, eine
abwechslungsreiche Mischung guter Musik geboten bekommt.
Hast du einen Lieblingskomponisten oder eine bevorzugte Epoche?
Nein, ich finde, dass es grossartige Musik aus jeder Zeit gibt. Wenn ich mich mit der Musik
Janáčeks beschäftige, denke ich, dass er einer der Grössten war. Spiele ich dann
Schubert, so bin ich überzeugt, dass ich nie bessere Musik gehört habe. Ich finde es als
Flötist nicht ratsam, sich auf eine bestimmte Epoche zu spezialisieren, unser Repertoire ist
dafür zu schmal, zudem macht Abwechslung das Leben reich…
Es ist klar, dass die Flöte im Spätbarock und im 20. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte. In
der Romantik wurde sie als Soloinstrument eher vernachlässigt. Dementsprechend
beschäftige ich mich oft mit der Musik dieser zwei Epochen. Leider ist die Interpretation
von Barockmusik auf modernem Instrumentarium zu einem Problem geworden. Viele
Veranstalter und Hörer erwarten bei Barockmusik historische Instrumente. Obwohl ich
mich auch mit historischen Instrumenten befasse und die Erkenntnisse dieser Bewegung
sehr wichtig finde, glaube ich, das sich Barockmusik auch auf modernen Instrumenten
adäquat wiedergeben lässt, vorausgesetzt, die Interpreten lassen sich wirklich auf diese
Musik ein.
Interessierst du dich auch für Kunstgattungen ausserhalb der Musik?
Ja, mir bedeuten Malerei, Photographie, Architektur und Filmkunst sehr viel. Dass ich auf
diesen Gebieten ein Laie bin, hat den Vorteil, dass ich diese Kunstwerke unbelastet
geniessen kann. Im Bereich der Musik ist das schwieriger, dort hört das professionelle Ohr
immer mit…
Es gibt oft erstaunliche Parallelen zwischen den Künsten: Symmetrie, Abstraktion,
Wiederholung sind Themen, die sowohl in der Malerei als auch in der Musik von grosser
Bedeutung sind. Der Spannungsbogen, die Dramaturgie eines Filmes lässt sich ganz
direkt auf die Form eines Musikstückes übertragen.
Mich beschäftigen Fragen, die sich um Kreativität drehen: Was treibt jemanden an, ein
Kunstwerk nach dem andern zu schaffen? Woher bezieht er seine Anregungen? Weshalb
hat der eine Künstler noch nach einigen hundert Jahren eine direkte Wirkung auf unser
Leben und viele andere Meister sind bedeutungslos geworden? Ich besitze grosse
Achtung vor der schöpferischen Kraft vieler Künstler. Sogar wenn ich mit dem Resultat
ihres Schaffens nicht einverstanden bin, bewundere ich ihren Willen, ihre Umgebung zu
gestalten und zu bereichern.
Was hat dich dazu gebracht, Stücke zu arrangieren und was macht die
Faszination dieser Tätigkeit aus?
Mir hat das Arrangieren immer grossen Spass gemacht, oftmals schon nur aus dem
Grund, dass es eine kreative Tätigkeit mit Musik ist, die für einmal ohne Instrument
auskommt und deren Resultat man schwarz auf weiss und dauerhaft vor sich sieht.
Auslöser für diese Arbeit war meine Mitwirkung im Ensemble Pyramide. Die
ungewöhnliche Besetzung dieses Sextetts hatte zur Folge, dass es kaum
Originalkompositionen für diese Besetzung gab (abgesehen von unseren vereinzelten
Kompositionsaufträgen). So wuchs der Wunsch, das Repertoire des Ensembles zu
erweitern mit wertvollen Stücken, die den Klang dieser Besetzung sozusagen schon in sich
tragen. Ich habe mich zuerst an kurzen Zugabenstücken versucht und hatte dabei den
grossen Vorteil, dass ich das klangliche Resultat meiner Bemühungen sogleich überprüfen
konnte und meistens an den Minen meiner Mitspielerinnen ablesen konnte, ob eine
Stimme instrumentengerecht geschrieben war oder nicht… Dabei habe ich sehr viel über
die einzelnen Instrumente gelernt, was mir nun ständig zugute kommt.
Man kann das Instrumentieren als eine technische Übung verstehen, bei der ein gewisser
Erfolg garantiert ist, weil man auf der Grundlage einer gelungenen Komposition aufbaut.
Man ist nicht gezwungen, jede Entscheidung selbst zu fällen wie beim Komponieren und
die Anstrengung wird dadurch belohnt, dass man etwas geschaffen hat, wofür Bedarf
besteht. Gewisse Bearbeitungen haben wir mit dem Ensemble Pyramide immer wieder im
Konzert gespielt, es ist sehr erfreulich, dass eine Studie so nützlich sein kann. Als Flötist
bin ich mir der Grenzen meines Repertoires bewusst und freue mich „diebisch“ über jede
Gelegenheit, es um ein wertvolles Stück zu bereichern. Auf diese Weise bin ich auch ein
enger Vertrauter vieler älterer Komponisten geworden; es fasziniert mich immer wieder,
wie nahe man dem Denken eines längst verstorbenen Komponisten kommen kann, wenn
man eines seiner Stücke Ton für Ton in ein anderes Medium überträgt, dieses Werk kennt
man dann durch und durch…
Was mich allerdings öfters ärgert, ist das Naserümpfen, das man von „seriösen“ Musikern
und Konzertveranstaltern erfährt, wenn das Wort Bearbeitung fällt. Für mich ist
Instrumentieren ein lebendiger und kreativer Umgang mit der Musikgeschichte, der
beweist, dass uns diese Stücke nach wie vor etwas zu sagen haben. Die Musikgeschichte
ist voll von Bearbeitungen, aber heute verlangen alle nach dem Original - als ob jemand
wüsste, wie ein Original klingt…
Ist das Komponieren die natürliche und konsequente Fortsetzung deiner
Arrangeurtätigkeit?
Ja und nein, Komponieren ist für mich echte Schwerarbeit und unterscheidet sich insofern
vom Instrumentieren. Vor einem weissen Blatt Papier zu sitzen und aus dem Nichts ein
Stück zu erschaffen, das ist eine Situation, die einem wirklich Angst machen kann.
Andererseits spielt ein klassischer Musiker seit seinen Anfängen nur Musik, die andere für
ihn aufgeschrieben haben. Meistens waren das die Titanen der Vergangenheit, die die
Latte entsprechend hoch gelegt haben. Nichtsdestotrotz finde ich es sehr wertvoll, sich
einmal zu fragen: „Wie klingt eigentlich meine eigene Musik? Gibt es so etwas überhaupt?“
Man sollte seine ersten Kompositionsversuche nicht gerade an Beethoven messen, aber
sie als Äusserungen eines wachen Zeitgenossen durchaus ernst nehmen. Wir leben auch
in der Musik in einer Welt der Spezialisierung: Interpret, Komponist, Musikwissenschaftler
sind sehr klar abgetrenntre Berufe. Ich träume von vergangenen Zeiten, in denen jeder
gute Musiker in der Lage war, ein einfaches Stück zu komponieren. Brahms‘ Freund, der
Geiger Joseph Joachim beispielsweise war ein handwerklich ausgezeichneter Komponist.
Obwohl er wusste, dass er nicht die schöpferische Originalität seines genialen Freundes
besass, liess er sich nicht vom eigenen Schreiben abbringen. Heute gibt es nur noch
wenige Interpreten, die sich dieser doppelten Herausforderung stellen. Dazu gehören zum
Beispiel Heinz Holliger oder Jörg Widmann. Ihnen gilt meine grosse Bewunderung.
Seit ich ein paar eigene Stücke geschrieben habe, lese ich aber auch die Stücke anderer
Komponisten jeder Epoche mit anderen Augen. Einerseits ist meine Achtung vor ihrer
schöpferischen Kraft und ihrer unermesslichen Arbeit noch gestiegen, andererseits
betrachte ich den Notentext aus einer frischen Perspektive. Ich habe erfahren, dass jede
Niederschrift eines Stücks der unvollkommene Versuch ist, eine klingende Idee des
Komponisten festzuhalten. Wenn man sich dies als Interpret vor Augen hält, beginnt man,
viel stärker nach dieser Idee hinter den Noten zu suchen, als sich einfach mit dem
korrekten Ausführen des Texts zufrieden zu geben.
Wie klingt deine Musik? Wonach suchst du in deinen Stücken?
Um diese Frage wirklich zu beantworten, fehlt mir noch etwas die Erfahrung und die lange
Werkliste. Es gibt sicher kompositorische Vorbilder, so Carl Philipp Emanuel Bach für die
klaren, energiegeladenen Gesten oder Maurice Ravel für seine unfassbare klangliche
Raffinesse. An George Crumb oder György Kurtág beeindruckt mich ihre Offenheit und ihre
Fähigkeit, Neue Musik zu schreiben, die sich nicht nur einem Fachpublikum erschliesst.
Was mir immer sehr wichtig ist, ist die Interaktion der Instrumente und ihrer Spieler, ich will
ein musikalisches Gespräch kreieren. Musik, die eine abstrakte Idee umsetzt, ohne dass
dies zu einem klanglich interessanten Resultat führt, mag ich nicht: die Musik muss eine
sinnliche Qualität besitzen. Ich glaube im Übrigen nicht, dass man eine Musik schreiben kann,
die unsere Zeit widerspiegelt, indem man auf alte, tonale Idiome zurückgreift.
Was hältst du vom modernen Musikleben und Musikbetrieb?
Diese Frage beinhaltet so viele Aspekte, dass ich sie nicht in ein paar wenigen Sätzen
beantworten kann.
Es gibt Dinge in der Musik, die noch nie so weit entwickelt waren wie heute. Zum Beispiel
haben wir leichten Zugriff auf fast die gesamte Musikgeschichte in gedruckter und
klingender Form. Wer sich über die Orchesterwerke von Maurice Ohana informieren
möchte, kommt sehr schnell an alle notwendigen Informationen.
In diesem Zusammenhang befremdet es mich jedoch, dass sich unsere gründliche
Kenntnis der Musikgeschichte nicht in den Konzertprogrammen niederschlägt. Besonders
im sinfonischen Bereich finde ich viele Programme entsetzlich langweilig, es tauchen
immer die gleichen Werke auf. Die erzkonservative Programmierung versteckt sich hinter
der Begründung, das Publikum nicht überfordern zu wollen. Dabei wurde in den letzten
dreihundert Jahren so viel gute Musik geschrieben, die es verdienen würde, gehört zu
werden. Diese fehlende Neugier hängt sicher auch mit der Fixierung auf grosse Namen
zusammen, seien das nun berühmte Interpreten oder die jedermann geläufigen
Komponisten. Alles muss im Musikleben eine Sensation sein, um noch ein bisschen
Aufmerksamkeit zu erlangen. Viele grosse Musik entspricht aber in ihrem Wesen
überhaupt nicht dieser Sensationsgier: ein Klaviertrio von Haydn kann einen zutiefst
glücklich machen, aber auf eine viel subtilere und umfassendere Weise als sich die
Marktschreier dies vorstellen können.
Ich glaube nicht, dass die Musikliebhaber weniger ins Konzert gehen, weil sie zu Hause
eine CD-Sammlung haben. Jeder Mensch, der Sinne und Ohren hat, merkt, dass das
Erlebnis eines Konzerts dem Anhören einer CD meilenweit überlegen ist. Wenn Menschen
trotzdem nicht mehr so oft ins Konzert gehen, so hat dies viel eher mit der permanenten
akustischen Umweltverschmutzung und Reizüberflutung zu tun. Musik braucht Stille: Wer
kann noch zuhören, nachdem er den ganzen Tag mit Lärm und Hintergrundsmusik
überschwemmt wurde? Sich hinzusetzen und eine Stunde lang aufmerksam zuzuhören, ist
eine grosse Herausforderung, der viele moderne Menschen nicht mehr gewachsen sind.
Es tut mir weh, zu sehen, wie viele kleine Konzertreihen abseits der Grossstädte
schliessen, weil sie kein Publikum und keine finanzielle Unterstützung mehr finden. In den
Städten ist das kulturelle Angebot meist sehr reich, oftmals herrscht schon ein
Überangebot. Dank der gestiegenen Mobilität fahren viele Leute lieber zum
prestigeträchtigen Konzert eines Stars in die Stadt als einem unbekannten Musiker in ihrer
Umgebung ihr Ohr zu leihen.
Aber vielleicht sehe ich das alles zu pessimistisch. Man kann das Rad der Zeit nicht zurück
drehen und wenn man die Situation mit etwas Abstand betrachtet, muss man konstatieren,
dass es der klassischen Musik insgesamt gut geht. Trotz der negativen Prognosen, die
man immer wieder liest, bin ich mir sehr sicher, dass es auch in hundert Jahren Menschen
geben wird, die diese Musik unbedingt hören möchten.